Eine Reise mit vier Santals durch Deutschland

Vom 11. Juni bis 4. Juli 2018 waren wieder vier Vertreter der indischen Ureinwohner-Dörfer Bishnubati und Ghosaldanga in Deutschland. Die Reise wurde von der Udo Keller Stiftung gesponsort, der Freundeskreis Ghosaldanga und Bishnubati e.V. nahm die Gelegenheit wahr und feierte sein zehnjähriges Jubiläum. Hier ein Bericht über die Reise.

 

Eine Reise mit vier Santals durch Deutschland

Reflexion über ein interkulturelles Experiment

Martin Kämpchen

 

Seit ich vor über dreißig Jahren die Santal-Stammesdörfer Ghosaldanga und Bishnubati in der Nähe von Santiniketan (West-Bengalen) entdeckt und in ihnen mit einer „alternativen Entwicklungszusammenarbeit“ begonnen habe, ist es mir wichtig, dass dieses Engagement keine „Einbahnstrasse“ ist. Zusammenarbeit beinhaltet ein gleichwertiges Geben und Nehmen. Konkret heißt dies, dass ich, der ich von außen in die Dörfer komme, bereit bin zu geben, was ich an Erfahrungen, Kenntnissen und menschlichen Werten einbringen kann, gleichzeitig aber offen bin, von den Menschen in den Dörfern zu lernen, ihre Lebensweise und Kultur wertzuschätzen und ihre Freundschaft zu suchen.

Diese Wechselseitigkeit habe ich auf mehreren Ebenen ausgebaut. Sehr früh schon kamen Freunde aus Europa, um im Dorf zu wohnen. Das begann, als noch nicht einmal eine Toilette gebaut worden war. Eine Wasserpumpe, eine Toilette und ein Gastzimmer wurden bald die praktischen Voraussetzungen, dass wir Gäste einladen konnten. Eine tiefe Gastfreundschaft ohne Argwohn, versteckten Absichten und Schlauheit hatte ich von Anfang an unter den Santals erfahren; sie durfte ich voraussetzen. Ebenso das in Santal-Augen Wichtigste: die Mahlzeiten, die für unsere Gäste stets reichhaltig und mit Sorgfalt bereitet wurden.

Früh sind auch jene Freunde, die mit mir die Arbeit in ihren Dörfern begonnen hatten, unsere „Senioren“, hinausgegangen, um in Indien zu reisen, Konferenzen zu besuchen, andere Dorfprojekte kennenzulernen und in Gruppen mit Tanz- und Musik-Aufführungen Feste an anderen Orten zu bereichern. Ich spürte, dass dies das kulturelle Selbstbewusstsein und das persönliche Selbstvertrauen der Menschen stärkte und dass sie durch diese Kontakte mit der größeren Welt außerhalb der Dörfer Führungsqualitäten entfalteten, die wir in der Dorfarbeit dringend brauchen. Boro Baski flog, als er noch Student war, nach England, um am bekannten Woodbrooke College der Quaker in drei Monate Kurse zu besuchen. Seit dem Jahr 1998 haben wir mehrere Reisen durch Deutschland, Österreich und England mit unseren Santal-Senioren unternommen. Dort haben wir – stets unter dem Titel „Ein indisches Dorf stellt sich vor“ – Veranstaltungen vor allem in Schulen, aber auch für Erwachsenen-Gruppen durchgeführt. Im Jahr 2008 kamen sieben junge Menschen (Sona Murmu, Boro Baski, Gokul Hansda mit ihren Ehefrauen Leena Murmu, Asha Baski und Dipali Hansda sowie Sanyasi Lohar) auf Einladung des Kindermissionswerks (Aachen) nach Deutschland. Der nächste Besuch war 2015 und zuletzt in diesem Juni-Juli, beide Male auf Einladung der Udo Keller Stiftung (Hamburg/Neversdorf).

Das Programm war stets ähnlich. Unser Ziel war zu zeigen, dass ein indisches Dorf nicht nur aus armen, notleidenden Menschen besteht, sondern dass in ihnen auch Freude, Geselligkeit und Festefeiern möglich ist. Wir wollten die Situation unserer Dörfer darstellen, die sich entwickeln, wohlhabender werden, aber auch in Gefahr sind, sich oberflächlichen Trends der Städte anzuschließen. Wir wollten vor allem die Bedeutung von Schulbildung, durch die idealerweise eine echte und ausgeglichene Entwicklung möglich ist, am Beispiel jener Menschen darstellen, die ich zur Teilnahme an diesen Reisen ausgewählt hatte. In zweiter Linie war uns wichtig, die Kultur der Santals vorzustellen und dadurch auf die Adivasis allgemein aufmerksam machen, weil sie im Bewusstsein der Mehrzahl der Deutschen nicht präsent ist. Die Berichte der großen Medien über Indien gehen selten auf die Ureinwohnerstämme ein.

 

Tänze und Lieder

Die Veranstaltungen waren stets, so auch in diesem Jahr, eine Mischung von Tänzen und Liedern der Santalkultur, von visuellen Präsentationen, Theater, Informationen, Diskussionen und interaktiven Elementen. Für die Tänze waren mindestens drei Personen notwendig; 2015 waren drei Männer auf Reisen (Gokul Hansda, Sona Murmu und Ramjit Mardi). Mir war dabei bewusst, dass eine Männergruppe die Santals als Gesellschaft und Kultur, aber auch unsere Bemühungen auf dem pädagogischen Bereich, nicht wirklich repräsentieren konnten. Darum flogen 2018 zwei Männer (Boro Baski und Anil Hemram) und zwei Frauen (Bhabini Mardi Baski und Padma Murmu) nach Deutschland. Gute Tänzerinnen und Sängerinnen zu finden, ist ein Leichtes, doch sollten die Mitglieder unserer Gruppenreisen auch fähig sein, mit den Menschen, denen sie in Deutschland begegneten ein Gespräch zu führen und allgemein zu kommunizieren. Das setzt nicht nur ausreichende Kenntnisse und Praxis des gesprochenen Englisch voraus, sondern ebenso die Fähigkeit über die eigene Rolle zu reflektieren und sie zu artikulieren. Also selbst zu wissen, wer man ist, und sich auf andere Menschen, so wie sie sind, einzustellen. Keine leichte Sache!

Es war mir wichtig, dass wir kein bloß-folkloristisches Programm darboten, an dem man sich wegen seiner Rhythmen und Vitalität erfreuen konnte, sondern auch deutlich machten, wie sehr Musik, wie sehr Rhythmus und Tanzbewegung die eigentlichen Lebenselemente der Santals sind, dass sie zum Kern ihres Lebensinns gehören. Die unterschiedlichen Tanzformen begleiten traditionell den landwirtschaftlichen Jahreskreis von der Aussaat bis zur Ernte und die Ereignisse des persönlichen Lebens wie die Hochzeiten und Trauerfälle.

Auch die Lieder, die jede Gruppe bei ihrer Reise darbot, sind unmittelbar aus dem Leben der Santals gegriffen. Ihre Lebensfreude durch erotische Liebe, durch das Bewusstsein der Gemeinschaft in der Familie, im Dorf, im Stamm und mit der Natur, ihre Trauer um verlorene Ursprünglichkeit, auch moderne Probleme im Zusammenhang der Dorf-Stadt-Kluft werden in den Liedern angesprochen. Zusammen mit Gokul Hansda und Boro Baski habe ich insgesamt rund 40 Lieder übersetzt, 32 davon sind in einem Heft für die Reise von 2008 zusammengestellt worden, das auch in diesem Jahr wieder auslag. Wer Santal-Leben existentiell erfassen will, kann dies mit diesen Liedern intuitiv erreichen. Jedes Mal habe ich bei den Vorführungen die Übersetzung der Lieder zuerst vorgetragen und in zwei Sätzen ihren Kontext erklärt, habe aber Lieder und ihre Übersetzung nur für erwachsenes Publikum vortragen lassen.

 

Visuelle Präsentationen

Die visuellen Präsentationen waren knappe Dia-Shows, die dem Publikum einen sinnenhaften Eindruck über die dörfliche Umgebung und der wichtigen Arbeiten im Dorf, etwa in der Landwirtschaft, vermitteln sollte. Diese Erfahrung, wo die Menschen, die vor ihnen standen, herkamen, wie sie lebten, war für Erwachsene wie Schulgruppen wichtig. Doch sollten diese Elemente so kurz wie möglich sein, damit der Fokus auf der Präsentation der Gruppe selbst blieb. Sie würde nicht immer anwesend sein, während man Fotos und Filme über indische Dörfer im Fernsehen und Internet häufig und leicht ansehen kann.

In diesem Jahr kam es zu einer Premiere. Professor Ronald Kurt aus Bochum hatte vor fünf Jahren mit einigen seiner Studenten Ghosaldanga und Bishnubati über mehrere Wochen immer wieder besucht und einen Film über Dr. Boro Baski, unserem Senior, gedreht. Ihn hatte er nun geschnitten und fertiggestellt, und er stellte ihn in Frankfurt am 16. Juni während der Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen des Freundeskreis Ghosaldanga und Bishnubati e.V. persönlich vor. Herr Kurt erzählte, wie es zu dem Film kam und was er mit dem Projekt hatte erreichen wollen. Der Film erzählt in einem Interview die Lebensgeschichte von Boro Baski, wobei Boro selbst mitentscheiden konnte, welche Fragen ihm gestellt wurden und was aus seinem Umfeld im Film gezeigt wurde. Der Film heißt „Roots and Branches. The Lifeworld of an Enlightened Villager in West Bengal” und kann jederzeit im Internet angesehen werden (Ronald-Kurt.jimdo.com).

Sanyasi Lohar aus Bishnubati, der mehrmals Mitglied unserer Gruppenreisen war, hatte nach seinem Kunststudium am Kala-Bhavan der Visva-Bharati-Universität in Santiniketan ein Studio in seinem Dorf gebaut und sich als Künstler und Kunsthandwerker niedergelassen. Er suchte vor allem den Kontakt mit dem lokalen Kunsthandwerk. Darum war er auf den Reisen dafür prädestiniert, zum Beispiel eigene Batiken mit Santal-Motiven anzubieten sowie Schmuck aus Naturfasern, die in den Santaldörfern mit Geschick und Phantasie hergestellt wurden. In zahlreichen Städten gab es im Rahmen der Veranstaltungen Verkaufsausstellungen. Das war „Santalkultur zum Anfassen“! In den Jahren 2015 und 2018 boten wir auf den Reisen T-Shirts mit Motiven, die von Sanyasi Lohar entworfen worden waren, an. In diesem Jahr ließ Tim Weinert die Hemden in Deutschland herstellen und bedrucken.

 

Interaktives Programm

Uns kam es während der Veranstaltungen immer darauf an, das Publikum, ob jung oder erwachsen, in das Geschehen einzubinden. Deshalb war es besser, keine Bühne zu benutzen, sondern einen genügend großen Raum innerhalb eines Halbkreises. Die Menschen sollten nicht Konsumenten, sondern Mitwirkende sein, so wie die Tänze und Lieder ja ursprünglich in Ghosaldanga und Bishnubati keine Vorführungen sind. Alle tanzen mit oder wer daneben sitzt, ist dennoch durch die rhythmischen Bewegungen, durch das fröhliche Durcheinander dieser Tanzfeste emotional eingebunden. Die einfachste Möglichkeit, Interaktion zu produzieren, sah ich darin, die zwei unterschiedlichen Trommeln, die Bambusflöte und die anderen Instrumente vorzuführen und vom Publikum ausprobieren zu lassen. Dabei erstaunten die Zuhörer immer, dass die Rhythmen, die unsere Santals vormachten, so einfach sie erschienen, dennoch nicht leicht auf der Trommel dann nachzuahmen waren. Das Geheimnis liegt im rhythmischen Gefühl, das unserem europäischen meist ungewohnt ist. In diesem Jahr brachte die Gruppe noch andere Perkussionsinstrumente mit, die aus einfachem Naturmaterial gefertigt, dennoch erstaunliche und zuweilen lustige Laute erzeugen.

Ich machte die Beobachtung, dass nicht jedes Publikum bereit war, diese interaktiven Elemente mitzutragen. Erwachsene scheuten sich oft, ebenso Jugendliche in dem schwierigen Alter von 14 bis 16 Jahren. Anders die Kinder im Grundschulalter, die sich ungeduldig drängten, auszuprobieren, mitzumachen, gleichgültig, ob sie zum Beispiel die Rhythmen trafen – Hauptsache: dabei sein! Mir scheint, bei Kindern in diesem Alter haben wir die meiste Freude ausgelöst und den größten Eindruck hinterlassen. Sie werden unsere Veranstaltungen, wie uns auch die Lehrer und Lehrerinnen und Eltern versicherten, im Gedächtnis behalten. Sehr gut war dieses unbeschwerte, spielerische Mitmachen auch unter Erwachsenen möglich, die sich untereinander kannten, also in kleinen geschlossenen Gruppen. Das bezieht sich auch auf den Dong-Tanz, den die Santalgruppe häufig zum Abschluss einer Veranstaltung vorführte, worauf sie zum Mittanzen einlud. Diese Mitmach-Aktion war erfolgreich in Kindergärten (in der Kita der Firma Merck) und Grundschulen (Schule Forsmannstrasse in Hamburg und Aischbachschule in Tübingen), wobei die Begeisterung manchmal so überschwänglich wurde, dass ich Sorge hatte, die Aktion könne in einem Chaos von hopsenden und schreienden Kindern untergehen. Ebenso erfolgreich war sie einem geschlossenem, kleinen Kreis von Erwachsenen, etwa im Sonnenhaus Beuron.

 

Informationen und Diskussionen

Jede Veranstaltung musste Raum geben für Fragen und Antworten. Dies war für jede Art von Publikum, das junge wie das erwachsene, die konventionelle Weise, sich interaktiv einzubringen und wurde stets ohne Scheu genutzt. Viele Fragen beantwortete ich selbst, wenn mir schien, dass die komplexe Frage eine differenzierte Antwort aus meiner Insider-Outsider-Perspektive brauchte. Bei inhaltlich einfachen und Faktenfragen gab ich sie an die Gruppe weiter, indem ich sie ins Englische oder Bengalische übersetzte. In diesem Jahr war Boro Baski dabei, der immer wieder auf Englisch zum Publikum sprechen konnte und so – ohne mich als Moderator – die Verbindung zu den Zuhörern herstellen konnte, was ich als sehr wertvoll empfand. Aber auch Anil Hemram gab in diesem Jahr mehrmals authentische und berührende Antworten, auf Englisch oder Bengalisch, die sehr gut ankamen und in seine Gefühlswelt blicken ließen. Als Moderator wirkte ich bewusst nur als enabler, als jemand, der die Voraussetzung schafft, damit die Santal-Gruppe das Publikum „erreicht“ und umgekehrt, damit ein innerer Kontakt zu der Gruppe möglich wird. Es war für mich ein wesentliches Experiment in interkultureller Kommunikation.

Die Jubiläumsfeier unseres eingetragenen Vereins Freundeskreis Ghosaldanga und Bishnubati in Frankfurt war das besondere Ereignis dieser Reise. Vorbereitet vom Vorstand (Marianne Pal Chowdhury, Dr. Ulrich Oser und Manfred Watzke) und vielen Helfern, kam ein ganztägiges  Programm zustande, das informativ, nachdenklich, kulturell reichhaltig und zukunftsweisend war. Die Einführung kam von Marianne Pal Chowdhury, die Festrede hielt Professor Klaus Jork aus Frankfurt, der uns vor wenigen Jahren in Indien besucht hatte und enge Verbindung mit uns hält. Die Gruppe der jungen Voluntäre, die nach Frankfurt geströmt war, führte ein entzückendes, humorvolles Theaterstück über ihre typischen Situationen in Ghosaldanga und Bishnubati auf. Den Abschluss machte unsere indische Gruppe mit ihrer kulturellen Präsentation. Wie schon 2015, wohnten wir während unserer Veranstaltungen in Frankfurt und Darmstadt bei Klaus Jork in Langen in der Nähe Frankfurt.

 

Das Treffen der Voluntäre

In Darmstadt waren wir Gast der Deutsch-Indischen Gesellschaft und des Instituts für Praxis der Philosophie sowie in der Kita der Firma Merck, durch dessen weitläufiges Gelände wir auch eine Führung bekamen. In Frankfurt traten wir in der katholischen Gemeinde St. Bonifatius auf, und zwar auf einem freien, geschützten Platz neben der Kirche. Veranstaltungen im Freien waren stets besonders stimmig und stimmungsvoll, weil man dort die informelle Atmosphäre der indischen Dorfsituation nachempfinden konnte.

Anschließend fuhren wir nach Hamburg und wohnten eine knappe Woche im Stiftungshaus der Udo Keller Stiftung in Neversdorf. Sie hatte die Flugtickets bezahlt und die Einladung gegeben, dass die Santals, wie im Jahr 2015, den „Tag der offenen Tür“ der Stiftung mitgestalteten. Dieses Event fiel leider aus. Warum? Fußballfieber! Die Weltmeisterschaft ließ nicht die rechte Stimmung aufkommen, die einen Erfolg dieses Tages gewährleistet hätte. Doch die Stiftung zog ihre Einladung nicht zurück, sondern ließ uns fünf während dieser freien Tage großzügig per Fahrrad, Auto und Zug die Umgebung erkunden. Einen Nachmittag und Abend verbrachte die Gruppe in Hamburg, und die Stiftung spendierte danach sogar einen zweitägigen Ausflug ans Meer in der Nähe von Travemünde. Denn außer Boro Baski hatte noch keiner das Meer gesehen!

Der Aufenthalt im Norden wurde zu einem Ereignis, weil viele junge Voluntäre, die alle schon einmal – oder mehrmals – in den Santaldörfern mitgearbeitet hatten, mit ihren Partnern zusammenkamen: Die Medizinstudentin Hannah Beckmann, die schon fünfmal in Ghosaldanga/Bishnubati zu Besuch war, die Mathematikstudentin Judith Drexler und der Meterologiestudent Jakob Dörr kamen Hamburg, der Politikstudent Joschka Härdtner aus Berlin. Dabei war auch mein Neffe Manuel mit seiner Familie. Jener Sonntag, als wir das Stiftungshaus für uns hatten, und ein großes Tanzfest veranstalteten, wird allen in Erinnerung bleiben. Das war Leben nach Santalart! Da war Energie und Vitalität!

 

Hauskonzerte

Solche „Hauskonzerte“ fanden in diesem Jahr mehrmals spontan statt, was zeigt, wie locker und Menschen-verbindend die Atmosphäre vieler Besuche war. Von Hamburg kehrten wir über Münster, wo wir in der Katholischen Akademie Franz-Hitze-Haus auftraten, zurück ins Rheinland. In Aachen besuchten wir das Büro des Kindermissionswerks, um uns für jahrzehntelange Unterstützung zu bedanken und ein laufendes Projekt zu besprechen. Danach besuchten wir Dr. Mandaresh Mitra und seine Frau Roswitha, die viele Jahre unseren Freundeskreis in Deutschland geleitet hatten. Abends waren wir in „fröhlicher Runde“ bei zwei Familien zusammen, die eng mit uns verbunden sind: den Ehepaaren Rick und Vogels. Und „fröhlich“ bedeutet, dass es im Garten von Familie Vogels spontan zu Tanz und Trommelschlag kam. Von Aachen zogen wir weiter zu einem besonderen Besuch in Troisdorf bei Köln. Am Bahnsteig erwartete uns Christel Neudeck, die Frau des vor zwei Jahren verstorbenen Menschenrechtlers Rupert Neudeck. Wir besuchten sein Grab und danach tanzte das indische Team vor dem Denkmal von Rupert Neudeck, das die vietnamesischen Flüchtlinge, die Rupert Neudeck aus dem Meer rettete, errichtet hatten. Am selben Tag fuhren wir in den Süden, nach Tübingen. In der Aischbachschule, die unsere Projekte in den Santaldörfern seit Jahren unterstützt, traten wir vor 170 Grundschulkindern auf, deren Begeisterung schwer zu bändigen war. Darauf zeigte uns Frau Judith Kuschel einige der schönsten Ecken von Tübingen und wir entspannten uns darauf in ihrem Garten mit Liedern und Trommelwirbeln.

Einen ganzen Tag verbrachten wir in der Meditationsstätte Sonnenhaus in Beuron, deren Verein uns seit Jahren mit einer regelmäßigen Spende unterstützt. In Beuron fand ein Seminar mit dem erweiterten Vorstand statt, bei dem die Prinzipien und Ziele unserer Dorfarbeit in Indien analysiert wurden. Auf welche Weise sie zu den Zielen „Meditation-Einfachheit-Eine Welt“ des Sonnenhauses passt, haben wir gemeinsam bedacht. Wichtig für mich war, dass auch Boro Baski sowie zwei Voluntäre, Tim Weinert und Frederic Paret, die dazugestoßen waren, mitdiskutierten. Abgeschlossen wurde dieser intensive Tag mit einem Konzert, bei dem es zum Schluss nur Tänzer und Musikanten, aber keine Zuschauer mehr gab.

Die letzte Station der Rundreise war meine Heimatstadt Boppard am Mittelrhein. Der Lions Club Rheingoldstrasse war der Veranstalter dieser Abschiedsaufführung, bei der Verwandte, Freunde und Bekannte der Familie anwesend waren. Tagsüber besuchten wir die Voluntärin Dr Katharina Klein-Zimmer bei ihrer Familie im Hunsrück. Noch ein freier Tag in Boppard, dann verabschiedete sich die Gruppe am Frankfurter Flughafen.

Die Reise hatte begonnen in Koblenz bei der Familie von Tim Weinert, dem Sprecher der Voluntäre, und mit einer Veranstaltung im Cusanus-Gymnasium Koblenz. Überall waren wir privat untergebracht, nicht in Hotels; nur in Tübingen wohnten wir in der Jugendherberge. Das führte dazu, dass die Gruppe mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt kam, die mit der Dorfarbeit schon vertraut waren oder von uns mehr erfahren wollten. Unsere Reise brachte wieder die Voluntäre, die alle mehrere Monate im Dorf gearbeitet hatten, zusammen; sie bringen neue Dynamik und Ideen in unser Wirken in Indien wie in Deutschland. Interkulturelle Kommunikation konnte eingeübt werden und führte zu neuen Wertschätzungen, zu gegenseitigem Respekt und sogar Freundschaften. Eine neue Form der Kommunikation trieb bei der diesjährigen Reise besondere Blüten: Facebook. Unsere Santalfreunde haben, wann immer sie eine Wifi-Verbindung bekamen, Fotos, kleine Videos und Botschaften rundgeschickt, die mehrmals zu Tausenden verbreitet wurden. Über Video-Calls blieben sie mit Familie und Freunden in Indien in Kontakt. In dieser Hinsicht sind sie modern, global und up to date, was mir, dem Facebook-Verweigerer, zu denken gab.

 

www.dorfentwicklung-indien.de

www.martin-kaempchen.com

 

 

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